Jede Festplatte stirbt – die Frage ist nur: Wann?
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Jede Festplatte stirbt – die Frage ist nur: Wann? |

01. November 2013

Über die Qualität und Haltbarkeit von Festplatten

Bei Gesprächen mit Kunden in unseren Labors oder bei Ausstellungen und Messen – immer wenn unser technischer Leiter Peter Franck gefragt wird, welche Festplattenhersteller oder gar Modelle er als besonders sicher und langlebig einschätzt, antwortet er: „Jede Festplatte stirbt – die Frage ist nur wann. Die Qualität und Lebensdauer einer Festplatte kennt man in den meisten Fällen erst nach deren Tod.“Vor langer, langer Zeit, als Datenrettungsingenieure noch ohne Reinraum und Mikroskop Schreib-/Leseköpfe von Festplatten per Hand justieren und Spuren (Tracks) anfahren konnten, war es tatsächlich noch möglich, über Qualität von Festplatten zu sprechen. Nur alle paar Jahre gab es neue Modelle, es waren somit schon nach einigen Monaten Erfahrungswerte verfügbar.

Heutzutage ist der Produktionszyklus von Festplattenmodellen extrem kurz. Teilweise werden Modelle nur wenige Monate produziert, Produktionsänderungen innerhalb von Modellen finden sogar oft mehrmals wöchentlich oder gar täglich statt. Neue Produkte müssen von den Herstellern möglichst vor der Konkurrenz mit maximaler Kapazität, maximaler Geschwindigkeit und minimalem Preis auf den Markt gebracht werden. Oft gewinnt man den Eindruck, Qualitätsmanagement wird vernachlässigt, denn eine höhere Dropout- und somit Reklamationsrate rechnet sich immer noch mehr, als in Zeit und Qualität zu investieren.

Moderne Festplatten sind am Limit des technisch Machbaren produziert – ich behaupte gerne sogar über dem Limit ;-). In den letzten zehn bis zwanzig Jahren ist Datenrettung ohne laufend gewartete und zertifizierte Reinräume unmöglich geworden. Kleinste Partikel (zum Beispiel Staub) können innerhalb von Sekunden einen fatalen Schaden an Festplattenoberflächen anrichten. Schreib-/Leseköpfe von Festplatten müssen mit Hilfe  hundertfacher Vergrößerung unter Mikroskopen justiert werden. Des Weiteren ist ein umfangreiches Festplattenersatzteillager notwendig, da nur exakt baugleiche Schreib-/Leseköpfe transplantiert werden können. Aufgrund der schier unendlichen Vielzahl an Modellen und Submodellen umfassen unsere Ersatzteillager mehr als 10.000 Festplatten.

Aufgrund der kurzen Verfügbarkeit von bestimmten Festplattenmodellen ist es somit auch nur sehr eingeschränkt möglich, eine für Kunden verwertbare Aussage über die Qualität der Festplatten zu tätigen. Sobald Erfahrungswerte vorliegen würden, ist die entsprechende Serie von Datenträgern längst nicht mehr verfügbar. Ausgenommen sind Produktionsfehler, die eine gesamte Serie betreffen: Zum Beispiel Firmware-Bugs in der Festplattensoftware, unzureichend fixierte Schreib-/Leseköpfe oder Montageprobleme bei den Lagern der Magnetscheiben – all das kommt gar nicht so selten vor.

Generell gilt: Man darf sich nie auf einzelne Datenträger verlassen. Ebenso nicht auf RAID-Systeme, die oft mit baugleichen Festplatten aus ein- und derselben Serie bestückt sind – diese können aufgrund von Serienfehlern nahezu gleichzeitig ausfallen!

Und welchen Datenträger empfehle ich nun? Kaufen Sie, was Ihr Herz begehrt, suchen Sie den Datenträger nach Geschwindigkeit, Preis per GB oder Farbe des Etiketts aus. Die Lebensdauer der Festplatte hängt von zu vielen Faktoren ab: Fehler in der Produktion, Transport vom Hersteller bis zu Ihrem Server, PC oder Laptop, Erschütterungen oder Überhitzung im laufenden Betrieb sind nur einige davon.

Die generelle Frage ist also nicht, welches Festplattenmodell länger lebt, sondern ob man für den Fall des „Ablebens“ ausreichned vorgesorgt hat (z.B. in Form von Datensicherung).

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